Objekt des Monats

Rôle Général des François Refugiez

Objekt
Rôle Géneral des François Refugiez dans les Estats de Sa Serénité Electorale
de Brandenbourg, comme ils se sont trouvez au 31 . décembre 1699
Verfasser
Consistoire supérieure
Datierung
1699
Material
Papier
Inventar-Nr.:
AFrD: Rep. 04-1984                                                      

 

Einführung

In den Jahren zwischen 1685 und 1731 entstanden in Berlin und im Kurfürstentum Brandenburg 48 hugenottische Kolonien. In jedem Jahr wurde eine Liste der Kolonieangehörigen, die „Rôle Général des François Refugiez “ in Zusammenarbeit mit den einzelnen Consistorien und Kolonierichtern vom französische Oberconsistorium in Auftrag gegeben. Diese Volkszählungslisten dienten allein der Erhebung statistischer Bevölkerungsdaten.
Das Archiv der Französischen Kirche zu Berlin besitz noch vier Kolonielisten aus den Jahren 1698 – 1701. Weitere Listen werden heute im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Dahlem aufbewahrt.

Die Kolonieliste von 1699

Die hier gezeigte Aufstellung beginnt mit der Auflistung der in Berlin lebenden Réfugiés. Neben Namen des Familienoberhaupts sind meist Beruf, Herkunftsort und manchmal weitere Familienangehörige aufgeführt.  Auf den nachfolgenden Seiten wird die Residenzstadt mit ihren fünf Verwaltungseinheiten Berlin, Cölln, Friedrichswerder, Dorotheenstadt und Friedrichstadt aufgeführt. Insgesamt lebten im Jahr 1699 5.682 Réfugiés in Berlin.

Die Stadt Magdeburg musste im Dreißigjährigen Krieg einen starken Bevölkerungsverlust hinnehmen. Der Große Kurfürst war also besonders bemüht, hier werktätige Bewohner anzusiedeln. Somit gründete sich in Magdeburg die zweitgrößte französische Kolonie (1.260 Personen), wobei die aus der Pfalz 1688/89 geflüchteten Mannheimer Wallonen separat aufgelistet wurden (1.694).
Weitere große Kolonien gab es z.B. in der Stadt Halle (641 Personen) oder Wesel (478 Personen) oder in den Ämtern Löcknitz, Gramzow und Chorin in der Uckermark.
Insgesamt werden in der Liste 13.847 Réfugiés genannt.

Auch diese „amtlichen Listen“ weisen vielfach Lücken und Ungenauigkeiten auf: Sterbe- und Geburtenraten werden nicht genannt und auch der andauernde Wechsel des Wohnsitzes wird die Zählung erschwert haben. Schwierigkeiten ergeben sich ebenso durch Ungenauigkeiten in der Schreibweise von Namen, Herkunfts- oder Ansiedlungsorten. Militärpersonen und diejenigen Réfugiés, die an einen Ort kamen, wo es keine organisierte Kolonie gab, wurden nicht mitgezählt.
Trotzdem bilden die Kolonielisten auch heute eine wichtige historische Quelle.

 
Literatur:           

Muret, Eduard: Geschichte der Französischen Kolonie. Berlin, 1885
Béringuier, Richard: Die Colonieliste von 1699. Berlin, 1888
https://archive.org/details/diecolonielistev00bruoft