Objekt des Monats

Pastorenporträt von Jean Henry (1761-1831)

Objekt:
Jean Henry, Pasteur (1761-1831)
Künstler
Suzette Henry geb. Chodowiecki (1763-1819)
Datierung
1821
Maße:
76,3 cm (H) x 63,4 cm (B) x 3,4 cm (T), (mit Rahmung
Technik:
Öl auf Leinwand
Signatur:
AFrD: Inv.Nr. 28

 

Einführung

Jean Henry war französisch-reformierter Prediger, Königlicher Bibliothekar und Vorsteher der Königlichen Kunstkammern. Er arbeitete als Schriftsteller und Übersetzer, besondere Anerkennung erlangte er durch seine Predigten.
Das Porträt wurde von seiner Frau Suzette Henry angefertigt und zeigt ihn als Pastor. Im Bestand der Französischen Kirche zu Berlin befindet sich ein weiteres Ölgemälde und ein Pastell Jean Henrys von der Berlin-Brandenburgischen Künstlerin und Predigerfrau.

Aus den Jugenderinnerungen des Jean Henry

Die Großeltern Jean Henrys besaßen die erste Seidenfärberei in Berlin, sein Vater arbeitete als Goldschmied und Juwelier. Obwohl die Familie in bescheidenen Verhältnissen lebte, wuchs er in einem Haus am Schlossplatz auf und die Familie verkehrte mit bekannten Persönlichkeiten der Stadt, wie den Buchhändlern Nicolai und Mylius oder dem Maler Johann Christoph Frisch.

Mit neun Jahren besuchte er das Französisches Gymnasium. Der einflussreiche Prediger und Direktor des Französischen Gymnasiums Jean Pierre Erman unterstützte die Familie nach dem frühen Tod des Vaters und vermittelte Jean Henry eine Stelle im Predigerseminar.  Nach beendigten Studien ging er 1783 als Prediger nach Brandenburg a. d. H., 1787 nach Potsdam und kehrte 1795 zurück nach Berlin an die Dorotheenstädtische Kirche. Daneben war er Bibliothekar Friedrich Wilhelms III. und Direktor der Kunstkammer und Altertumssammlung in Berlin.  

Noch während seiner Zeit im Predigerseminar lernte er seine spätere Frau Suzette, Tochter des bekannten Künstlers Daniel Chodowiecki, kennen. Sie heirateten im Jahr 1785.

Sprache als Identität

Innerhalb der Berliner Kolonie um 1800 zeichnet sich ein allmählicher Sprachenwechsel und damit einhergehend eine Identitätsdebatte ab: wurde Französisch zuvor als Alltags- und Gottesdienstsprache verwendet, reduzierte sich dies bald ausschließlich auf den Bereich des Kultes sowie auf eine kleine Elite. Die Mehrheit der Bevölkerung, insbesondere die Unterschicht, war des Französischen nicht mehr mächtig. Das Berliner Konsistorium diskutierte somit über die Einführung deutschsprachiger Gottesdienste oder der deutschen Sprache an den Schulen.
Jean Henry trat mit aller Leidenschaft für die Erhaltung der französischen Sprache im Gottesdienst und im Unterricht ein und hielt fest an der französisch geprägten Tradition der Réfugiés.  In seiner Kirche weigerte er sich auf Deutsch zu predigen. Gleichwohl er eine gewisse Geringschätzung gegenüber „der deutschen Sprache und dem deutschen Wesen“ an den Tag legte, war er Patriot und dem preußischen Herrscherhaus ergeben.

 

Literatur:

Böhm, Manuela: Sprachenwechsel. Berlin 2010.
Henry, Jean: Für meine Kinder. Geschichtliche Nachrichten über mein Leben und meine Familie. Jugenderinnerungen übersetzt und bearbeitet von Ellen du Bois-Reymond. In: Der Deutsche Hugenott, 11 (1939).
Steinbrucker, Charlotte: Jean Henry, 1761-1831. In: Berliner Museen, 43. Jahrg., H. 11/12 (1922).