Architektur

Architektur und Ort

Errichtung der ersten Hugenottenkirche in Berlin

Der Französischen Dom in Berlin ist ein authentischer Ort für die Geschichte der Hugenotten. Der erste Eintrag im Protokollbuch des Consistoriums der Französischen Kirche zu Berlin berichtet über die Gründung der ersten eigenständigen Kirchengemeinde im Jahr 1672. Die Friedrichstadt entwickelte sich zu einem Zentrum hugenottischen Lebens in Berlin, so dass bald der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus auftauchte. Im Mai 1699 wurde den Réfugiés durch Friedrich III. ein Bauplatz zugewiesen. Dieser befand sich zunächst an einem Ort des späteren Gendarmenmarktes, auf dem heute der Deutsche Dom steht. Die Erlaubnis zum Bau der Kirche erhielt das Consistorium im Jahr 1700. Im selben Jahr wurde wegen Streitigkeiten zwischen Franzosen und Deutschen der Platz noch einmal zum jetzigen Standort umentschieden.

Ausbau der Platzgestaltung

Mit der Anlage des regelmäßigen Platzes veranlasste König Friedrich I. den Bau der Französischen und Deutschen Kirche als gleichartige kuppelüberwölbte Baukörper. Die Einweihung der Französischen Kirche fand am 1. Juli 1705 in Anwesenheit des Königs statt. Baumeister waren die Hugenotten Louis Cayart und Abraham Quesnays. Die erste Predigt hielt Jacques Lenfant.

Die Größe des Platzes, die unter König Friedrich I. angelegt worden war, ermöglichte den weiteren Ausbau durch seinen Nachfolger Friedrich II. Dieser hatte 1773 beschlossen, den Gendarmenmarkt repräsentativ zu gestalten. Es folgte der Abriss der angrenzenden Befestigung sowie der Stallungen der „Gens d´Armes“, deren Regiments in die Dorotheenstadt verlegt worden waren. Die zur neuen Platzgestaltung vorgelegten Pläne Carl von Gontards mit der Errichtung zweier hoch aufragender Kuppeltürme wurden in den Jahren 1780-1785 durchgeführt. Die Turmbauten sollten als Repräsentationsbauten, ohne eigentliche Funktion den Gendarmenmarkt einfassen. Ihr städtebauliches und architektonisches Vorbild ist in den Kuppelkirchen der Piazza del Popolo in Rom zu suchen.
Um eine symmetrische Platzgestaltung zu erreichen, musste die Französische Kirche ihren Friedhof um die Kirche aufgeben. Im Gegenzug erhielt sie vom König lebenslanges Nutzungsrecht zugesprochen.

Architektur und Bildprogramm

Der Turmbau erhebt sich über dem Grundriss eines griechischen Kreuzes. An drei Seiten sind Säulenportiken in korinthischer Ordnung angebracht. Der hohe Tambour wird von 12 korinthischen Säulen eingefasst und von einem Balustradengebälk mit einem kupfergedeckten Kuppeldach bekrönt. Der Entwurf für das Bildprogramm am Französischen Dom entstand nach Zeichnungen von Daniel Chodowiecki. Chodowiecki war Mitglied der französischen Hugenottengemeinde und Mitglied einer beratenden Kommission der Französischen Kirche, die sich für den inhaltlichen Entwurf des Bildprogramms verantwortlich zeigte. Die Giebelfelder zeigen Szenen aus dem Leben Christi wie z.B. Jesu und die Samariterin, die Bergpredigt und der Gang nach Emmaus. Sie wurden u.a. von dem Stuckateur Heinrich Föhr geschaffen.