Dauerausstellung

Die Dauerausstellung im Hugenottenmuseum Berlin

Dauerausstellung im Hugenottenmuseum Berlin (1987-2017)

Wer waren die Hugenotten

Als Hugenotten werden reformierte Christen bezeichnet, die nach der Lehre Jean Calvins (1509-1564) leben und aus dem französischen Sprachraum kommen. Der seit etwa 1560 existierende Ausdruck wurde von den Gegnern stets als Schimpfwort für Französisch-Reformierte gebraucht. Das Hugenottenkreuz gilt weltweit als Erkennungs- und Bekenntniszeichen reformierter Christen.
Die Ausstellung zeichnet in ihren ersten Räumen die Geschichte des Protestantismus in Frankreich des 16. Jahrhunderts nach, die stets von Unterdrückungs- und Verfolgungsmaßnahmen geprägt war. Trotzdem entwickelten sich die Hugenotten zu einer maßgeblichen politischen Kraft und auch die Zahl ihrer religiösen Anhänger wurde immer größer. Insgesamt acht Hugenottenkriege in den Jahren 1562-1593 führten zu einer Spaltung Frankreichs. Als ein bekannter Höhepunkt der Religionskriege gilt die Bartholomäusnacht von 1572, auch als „Pariser Bluthochzeit“ bezeichnet. Die Ausstellung zeigt den Stich von Jan und Caspar Luyken zur Pariser Bartholomäusnacht (1696).
Mit dem Edikt von Nantes 1598 schuf schuf Heinrich IV. den rechtlichen Rahmen für einen friedlichen und respektvollen Umgang zwischen den Konfessionen. Zum ersten Mal war für die Hugenotten die Ausübung ihrer Religion in Frieden möglich geworden. Auch das Edikt von Nantes wird in der Ausstellung im Nachdruck gezeigt.

Unterdrückung und Flucht

Mit dem Jahr 1685 begann eine der größten Wanderungsbewegungen der Frühen Neuzeit. Die Aufhebung des Edikts von Nantes durch Ludwig XIV. sollte die in Frankreich lebenden Protestanten zwingen, ihrem Glauben abzuschwören und zur katholischen Kirche überzutreten. Diejenigen, die ihrem Glauben treu bleiben wollten, mussten sich in den Untergrund begeben oder den durch Auswanderungsverbote gefährlichen Weg der Flucht in ein Land antreten, in dem für sie bessere Bedingungen herrschten.  In den nächsten Räumen der Ausstellung werden dem Besucher die historischen Entwicklungen im Frankreich es 17. Jahrhunderts aufgezeigt.

Ankunft

Als das Edikt von Potsdam erlassen wurde, gab es in Berlin bereits eine Ansiedlung reformierter Franzosen. Berlin entwickelte sich so zur natürlichen Anlaufstelle für die zahlreichen neuen Réfugiés. Bis zum Beginn des Jahres 1689 entstanden viele Kolonien, mit oder ohne eigene Französische Kirche, in den Marken Brandenburg. Diese erste Gründungswelle von Französischen Kolonien von 1685 bis 1688 kann als direkte Auswirkung auf das Edikt von Fontainebleau und das Verbot der Religionsausübung in Frankreich verstanden werden. Weitere Gründungswellen von Französischen Kolonien folgten und waren je eng mit den innen- und außenpolitischen Aktivitäten Brandenburg-Preußens, anderer Aufnahmeländer und Frankreich verknüpft. Zu der ansteigenden Zahl der Koloniegründungen stieg parallel auch die Zahl der Einwanderer und deren Nachkommen in den Kolonien an. Bis zum Jahr 1740 lebten in Brandenburg-Preußen etwa 20.000 hugenottische Untertanen, wobei Berlin mit seinen Vorstädten immer das Zentrum bildete. Das Edikt von Potsdam bildet so eines der wichtigsten Exponate in der Ausstellung.

Hugenotten in Berlin und Brandenburg

Insbesondere die Kolonie in Berlin wurden von den einstigen Glaubensflüchtlingen als neuen Heimat angesehen. Hier gab es die meisten sozialen Einrichtungen der Kirche und um 1700 war jeder vierte Berliner ein Franzose. In der Ausstellung werden die Kirchengemeinden und Gotteshäuser, die Einrichtungen der Armenfürsorge oder des Erziehungs- und Schulwesens sowie bekannte Persönlichkeiten aus Kunst und Wissenschaft vorgestellt.
Ebenfalls wird die Baugeschichte des Doms und der angrenzenden Französischen Friedrichstadtkirche bis zu den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg in einigen Vitrinen vorgestellt.